Kurzer Überblick über die Geschichte der Stadt

 

 

Geschichte

Die Stadt Fröndenberg liegt im Süden des Kreises Unna an den Eisenbahnstrecken Hagen-Kassel und Unna-Neuenrade sowie an der Autobahn Dortmund-Kassel. Die Flußterrassen rechts der Ruhr und die Höhen des westlichen Haarstranges prägen ihre Oberflächengestalt. Das Ruhrtal bildet den Abschluß des unteren Sauerlandes. Etwa 120 m steigt es bis zum 244,7 m hohen Henrichsknübel an. Der nördliche Teil des Stadtgebietes stößt zur Hellwegbörde vor.

In ihrer jetzigen Struktur besteht die Stadt Fröndenberg erst seit dem Beginn des Jahres 1968, als durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Unna die Gemeinden Altendorf, Ardey, Bausenhagen, Dellwig, Frohnhausen, Frömern, Langschede, Neimen, Ostbüren, Stentrop, Strickherdicke, Warmen und die Stadt Fröndenberg zur neuen Stadt mit ihren o.a. Ortsteilen zusammengeschlossen wurden. 1969 schloß sich der Ortsteil Bentrop an. Die heutige Stadtmitte ging hervor aus den drei Kirchspielgemeinden Stift und Dorf Fröndenberg und Westick. Sie vereinigten sich 1902 zur Gemeinde Fröndenberg, die 1952 Titularstadt wurde. In Langschede, Ardey und Dellwig bahnte sich eine ähnliche Entwicklung an, diese drei Gemeinden schlossen sich 1964 zur Großgemeinde Langschede zusammen.

'Frundeberg' ist die älteste bekannte Form des Ortsnamens Fröndenberg; er ist zu finden in einer Urkunde des Papstes Coelestin III. aus dem Jahre 1197, ausgestellt für das bei Bentrop gelegene damalige Prämonstratenserkloster Scheda, das 1147 erwähnt wird und seine Gründung der Edelfrau Wiltrudis und ihrem Sohn Rathard aus dem Geschlecht der Rüdenberger verdankt. Um 1170 wird Rabodo von Rüdenberg auch als 'de Dalewic' (von Dellwig) bezeichnet. Sein Erbe ging auf die Söhne des Edelherrn Jonathas von Volmarstein über. Sie bauten sich an der Ruhr bei dem Dorfe Ardey eine Burg. Dort nahmen sie ihren Wohnsitz und nannten sich danach 'von Ardey'. 1296 lag diese Burg im Gebiet der Grafen von der Mark.1318 wird zum letzten Male von einem Edelherrn von Ardey berichtet. Von der Burganlage blieben nur Mauerreste und Gräben übrig. Den Burgberg durchschneidet heute die Eisenbahnlinie nach Unna.

Bei dem Dorfe Fröndenberg gründete der Kölner Erzbischof Heinrich von Molenark zwischen 1225 und 1230 ein Kloster für Zisterzienserinnen. Graf Otto von der Mark, der später auch 'von Altena' nach seiner gleichnamigen Burg hieß, ließ auf seine Kosten den Bau der Klosterkirche beginnen (heutige Stiftskirche).Er gilt als deren Stifter.Nach den in der Zeit von 1257 bis 1270 ausgestellten Urkunden leitete seine Schwester Richardis als Äbtissin das Kloster.Fröndenberger Wappen Der Patron des Klosters war neben der Jungfrau Maria der Märtyrer Mauritius (Anführer der Thebaischen Legion, Martertod um 300 zu St. Moritz in Wallis/Schweiz). Das Fröndenberger Wappen zeigt ihn in Ritterrüstung über dem märkischen Schachbalken.

Das Kloster der Zisterzienserinnen wurde allmählich in eine Versorgungsstätte für die Töchter des südwestfälischen Adels umgewandelt. 1550 spricht man urkundlich von einem freien Stift. Äbtissin und Stiftsdamen trugen an ihrer Tracht seit dem 18. Jahrhundert das Mauritiuskreuz. Am Mauritiustage (22. September) hatten die Fröndenberger in der 'Freiheit' eine Kirmes mit einem Markt.
Im 17. Jahrhundert waren die Stiftsdamen lutherisch, katholisch oder reformiert. Ebenso hatten sich im Stift und in der Bauernschaft Fröndenberg drei christliche Gemeinden gebildet, die an Sonn- und Feiertagen abwechselnd die ehemalige Klosterkirche, jetzt Stiftskirche genannt, benutzten.
Stiftskirche
1837 vereinigten sich Lutheraner und Reformierte zur evangelischen Gemeinde.1894 hatten die Katholiken auf dem Sodenkamp ein neues Gotteshaus, die Marienkirche; aber die Stiftskirche blieb Simultankirche. Das Stift Fröndenberg bestand bis 1812. Damals verfügte es über 187 landwirtschaftliche Betriebe, aufgeteilt in 'Höfe', 'Kolonien', 'Kotten' und 'Stellen', die im Umkreis von rund 20 km beiderseits der Ruhr lagen. Außer der frühgotisch begonnenen Stiftskirche, deren hoher Westturm erst 1900-1902 angebaut wurde, blieben das angrenzende Boeselagerhaus, die beiden Abteigebäude von 1607 und 1661 und das Stiftshaus an der 'Steinernen Treppe' erhalten.

Von 1780 bis 1801 fuhren bis Langschede Schiffe die Ruhr hinauf. In dem kleinen Langscheder Hafen wurden Getreide und Königsborner Salz verladen. Dort weist im Garten von Haus Schoppe ein alter Turm aus dem 16. Jahrhundert auf eine Burg hin, die einst den Ruhrübergang schützen sollte.
Im 16. und 18. Jahrhundert wurde in Strickherdicke nach Kohlen gegraben, im Kirchspiel Bausenhagen im 18. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert in Ardey. Nach 1945 wurde die Förderung mit der Zeche 'Frohe Ansicht' in Ardey eine Zeit lang wiederaufgenommen.
Biegemaschine für KettenIn den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts begann das jenseits der Ruhr in Bösperde gelegene Neuwalzwerk mit der
Kettenherstellung. Das Werk beschäftigte damals auch viele Heimarbeiter, die im Fröndenberger Raum Ketten schmiedeten. Als das Neuwalzwerk in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Herstellung von Ketten einschränkte und schließlich ganz aufgab, entstanden in unserem jetzigen Stadtgebiet Kettenfabriken. An diese Tradition der Kettenherstellung in Fröndenberg erinnert heute das im Jahre 1999 eröffnete
Kettenschmiedemuseum.

'Die reichlichen Strohüberschüsse' des Hellwegs gaben Veranlassung, 1854 eine Papiermühle zu bauen. Im Laufe der Zeit wurde daraus eine moderne Papierfabrik, die bis 1982 produzierte. Die Industriebrache dieser Papierfabrik wurde zum Landschaftspark Ruhrufer umgestaltet. Der Trichter, das ehemalige Strohlager (jetzt Forum) sowie das Gebäude des Kettenschmiedemuseums erinnern an diese Papierproduktion.

1870 wurde die Eisenbahnlinie Schwerte-Arnsberg eröffnet. Dadurch erhielt die Industrie im Fröndenberger Raum einen gewaltigen Auftrieb. Der Autobahnanschluß über die A 443 zur A 44 und A 1 hat eine ebensolche Bedeutung für die heimische Industrie.

Fröndenberger Persönlichkeiten

Im alten Abteigebäude an der 'Steinernen Treppe', das am Giebel die Jahreszahl 1607 zeigt, wurde am 20. Oktober 1802 Ernst Wilhelm Hengstenberg als Sohn des reformierten Pfarrers geboren. Er war Professor der Theologie in Berlin und zeichnete sich als Orientalist aus. 1827 begründete er die Evangelische Kirchenzeitung.

Der Rechtsgelehrte Gothofred Anthonius (1571-1618), der erste Kanzler der 1607 gegründeten Universität Gießen, stammt ebenfalls aus Fröndenberg.

Der 25. Juli 1817 ist der Geburtstag eines Fröndenbergers, der später in Münster als Musiker und Komponist tätig war und eine bekannte Klavierschule herausgab: Max Bisping.

Mehr als 250 Jahre, von 1537 bis 1797 wirkte in Frömern die Familie von Steinen. Der Propst zu Scheda 'pflegte aus seinen Kanonikern den Pfarrer zu Frömern zu ernennen'. 1537 übernahm Prämonstratenser Heinrich von Steinen diese Pfarrei. Der neue Pfarrer verkündete Luthers Lehre. Er wurde der Stammvater der Frömerner Pfarrerfamilie, die in sieben Generationen ununterbrochen dem Kirchspiel den Pfarrer stellte. Johann Dietrich von Steinen ist der Verfasser der umfangreichen 'Westfälischen Geschichte', von der vier Bände 1755-1760 erschienen. Sein Sohn und Nachfolger Franz Ernst, der letzte Frömerner Pfarrer aus der Familie von Steinen, gab den vierten Band nach dem Tode des Vaters heraus.

Im Frühling 1864 wurde Friedrich von Bodelschwingh Pfarrer in Dellwig. 1872 übernahm er zu Bielefeld die Leitung des Diakonissenhauses und der Epileptischen Krankenanstalt. Als 'Vater von Bethel' wurde er bekannt. Auf dem Dellwiger Friedhof liegen die Gräber seiner vier ältesten Kinder, die im Januar 1869 innerhalb von zwei Wochen starben.

Am 29. August 1878 wurde in Fröndenberg der Pfarrerssohn Wilhelm zur Nieden geboren. Er gehörte zum Führungskreis der Gegner des Nazi-Regimes um den früheren Leipziger Oberbürgermeister Dr. Goerdele und war für eine leitende Stellung im Reichswirtschaftsministerium vorgesehen. Nach dem mißglückten Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 mußte er mit mehreren Mithäftlingen am 23. April 1945 in Berlin in der Lehrter Straße sein Leben lassen.

 

    Bilder vom Kettenmuseum